Zielzustand und Bedrohungszustand: Bedeutung und Anwendung
Was bedeuten Desired State und Threat State? Erfasse gewünschte und befürchtete Situationen und trenne sie von Emotionen, Verhalten und Hirnmessungen.

„Ich möchte mehr Verantwortung“ erklärt noch nicht, was jemand damit erreichen will. Vielleicht geht es um Einfluss, fachliche Entwicklung oder Vertrauen. Ebenso wenig verrät „Ich möchte keine zusätzliche Aufgabe“, welche Folge die Person befürchtet. Wenn du gewünschte und gefürchtete Situationen konkret beschreibst, wird die Bedeutung einer Entscheidung klarer. Desired State und Threat State können dabei als Arbeitsbegriffe helfen.
Desired State bezeichnet hier eine Situation, die jemand in einem bestimmten Kontext erreichen oder erhalten möchte. Threat State bezeichnet eine befürchtete Situation, die jemand vermeiden will. Es sind beschreibende Begriffe für die Zielgruppenanalyse, keine gemessenen Gehirnzustände oder klinischen Diagnosen. Untersuche beide getrennt und verbinde sie mit Verhalten, erwarteten Folgen und den Bedingungen der Entscheidung.
Verwandte Theorien, kein gemeinsamer Standardtest
Carver und Scheier beschreiben Selbstregulation mithilfe der Kontrolltheorie: Eine aktuelle Situation wird mit einer Referenz verglichen, und Verhalten kann die Abweichung verringern. Das bietet einen theoretischen Bezug für die Beschreibung gewünschter Situationen. Carver und Scheier, 1982
Higgins unterscheidet beim regulatorischen Fokus unter anderem die Ausrichtung auf Ambitionen und Verwirklichung von der Ausrichtung auf Sicherheit und Pflichten. Motivation umfasst damit mehr als eine einfache Einteilung in positiv und negativ. Higgins, 1997
Diese Theorien validieren keinen Neurofactor-Score namens Desired State oder Threat State. Der Artikel verwendet die Begriffe zur redaktionellen Ordnung von Forschungsaussagen. Sie entsprechen auch nicht automatisch BIS/BAS-Werten oder spezifischen Zuständen, die andere Forschungsrichtungen als „Challenge“ und „Threat“ bezeichnen.
Was beschreibst du genau?
| Bestandteil | Frage | Beispiel bei einer neuen Aufgabe |
|---|---|---|
| Aktuelle Situation | Was passiert jetzt? | Entscheidungszuständigkeiten sind unklar |
| Desired State | Was soll erreicht oder erhalten werden? | Selbstständig innerhalb klarer Grenzen arbeiten |
| Threat State | Welche Folge wird befürchtet? | Verantwortung ohne Entscheidungsbefugnis |
| Emotion | Wie fühlt sich diese Erwartung an? | Stolz, Unsicherheit oder Anspannung |
| Verhalten | Was tut die Person in diesem Kontext? | Vor einer Zusage nach Befugnissen fragen |
Eine Situation zu beschreiben ist etwas anderes, als ein Gefühl zu benennen. „Ruhe“ kann ein gewünschtes Gefühl sein, erklärt aber kaum die nötigen Arbeitsbedingungen. „Wissen, wen ich bei Entscheidungen außerhalb meiner Befugnisse hinzuziehen kann“ ist konkreter. Beide Aussagen können auf einer Zielgruppenkarte stehen, solange sie unterschiedliche Funktionen haben.
Gewünschte und gefürchtete Zustände sind nicht immer Gegenbilder
Jemand kann sich fachlich weiterentwickeln wollen und gleichzeitig befürchten, dass größere Sichtbarkeit Fehler öffentlich macht. Der Wunsch betrifft Entwicklung, die befürchtete Situation das Ansehen. Das Versprechen „mehr Sicherheit“ behandelt nicht automatisch beide Seiten. Untersuche, welche Kombination für diese Person und diese Entscheidung relevant ist.
Auch der Erhalt eines Zustands kann erwünscht sein. Ein erfahrener Mitarbeiter möchte vielleicht während einer Veränderung die Qualität sichern. Das ist nicht automatisch Widerstand gegen Neuerungen. Ebenso wenig belegt eine befürchtete Folge eine ängstliche Persönlichkeit. Die Erwartung kann angesichts knapper Zeit, früherer Erfahrungen oder fehlender Befugnisse nachvollziehbar sein.
Vermeide feste Profile wie „Wachstumssucher“ oder „ängstliche Mitarbeitende“. Dieselbe Person kann bei einer Entscheidung Chancen verfolgen und bei einer anderen vor allem ein unakzeptables Ergebnis verhindern wollen. Halte deshalb Aufgabe und Kontext neben jeder Formulierung fest, statt die Bezeichnungen als dauerhafte persönliche Eigenschaften zu behandeln.
So untersuchst du beide Situationen
- Beschreibe eine konkrete Entscheidung oder Handlung.
- Frage, was ein gutes Ergebnis für die Person bedeuten würde.
- Frage getrennt davon, welche Folge sie verhindern möchte.
- Lass beide Antworten anhand einer erkennbaren Situation erläutern.
- Unterscheide Erwartungen von tatsächlichen Bedingungen.
- Prüfe, welche Information, Erfahrung oder Unterstützung relevant sein könnte.
- Überprüfe die Interpretation mit weiteren Teilnehmenden und einer passenden Folgemethode.
Nutze offene Fragen wie „Wann würde diese Aufgabe für dich gut verlaufen?“ oder „Was würde dich davon abhalten, anzufangen?“ Beginne nicht mit „Hast du Angst zu scheitern?“ Damit gibst du die Interpretation bereits vor. Eine Assoziationsaufgabe liefert Anhaltspunkte; ergänzende Erläuterungen helfen, die Bedeutung hinter den Wörtern zu verstehen.
Beispiel: Eine Mitarbeiterin übernimmt eine Projektleitung
Eine fiktive Organisation lädt Beschäftigte ein, ein befristetes Projekt zu leiten. Eine Teilnehmerin verbindet die Rolle mit „Einfluss“ und „Schuld bekommen“. Das Team untersucht, ob Einfluss tatsächliche Entscheidungsbefugnis bedeutet und ob die zweite Assoziation Verantwortung ohne ausreichende Unterstützung meint.
Als vorläufiger Desired State wird formuliert: „Ein Projekt mit klaren Befugnissen und Zugang zu Fachwissen steuern können.“ Der vorläufige Threat State lautet: „Allein für Ergebnisse verantwortlich werden, die ich nicht beeinflussen kann.“ Das sind Interpretationen, die mit Teilnehmenden überprüft werden müssen, keine Zitate oder gemessenen Gruppenergebnisse.
Der nächste Schritt besteht nicht nur in einer begeisternden Einladung. Zunächst prüft die Organisation, ob Befugnisse, Begleitung und Eskalationswege tatsächlich geregelt sind. Anschließend kann sie testen, ob deren klare Beschreibung Verständnis und Bereitschaft verändert. Das Beispiel setzt keine garantierte Verbesserung von Teilnahme oder Leistung voraus.
Überschneidungen auf der Zielgruppenkarte vermeiden
Verwende Desired State für die gewünschte Situation und emotionalen Nutzen für das zugehörige Gefühl. Nutze Threat State für die befürchtete Folge und emotionalen Schmerz für das Gefühl im Zusammenhang mit dem aktuellen Problem. Der wichtigste Schmerzpunkt beschreibt dagegen das konkrete Problem, das jetzt Aufmerksamkeit verlangt.
Diese Aufteilung ist eine redaktionelle Vereinbarung. Andere Modelle können die Begriffe anders verwenden. Der Vorteil liegt darin, dass jede Zeile eine eigene Frage beantwortet. Eine Karte mit fünf Varianten von „mehr Sicherheit“ wirkt vollständig, hilft aber kaum bei der Auswahl notwendiger Informationen oder Veränderungen im Arbeitsablauf.
Von Situationen zur Kommunikation
Übersetze die gewünschte Situation in ein überprüfbares Versprechen und die befürchtete Situation in eine ehrliche Antwort auf die relevante Bedingung. Beschreibe mit passenden Belegen, was das Angebot tatsächlich unterstützt. Bleibt ein Risiko bestehen, erkläre es verständlich, statt es hinter beruhigenden Formulierungen zu verstecken.
Teste nicht nur, welche Botschaft attraktiver klingt. Frage auch, welches Versprechen Menschen darin erkennen und welcher nächste Schritt machbar erscheint. Eine angenehme Formulierung kann sonst Erwartungen erzeugen, die das Angebot nicht erfüllt. Unterscheide Verständnis, Glaubwürdigkeit und Verhalten als separate Ergebnisse der Auswertung.
Häufige Fehler
- Die Begriffe als gemessene Gehirnzustände darstellen.
- Positive und negative Wörter zwei festen Menschentypen zuordnen.
- Befürchtete Situationen ohne Rückfrage bei Teilnehmenden erfinden.
- Praktische Einschränkungen als emotionale Probleme behandeln.
- Dieselbe Aussage bei Ziel, Schmerzpunkt, Nutzen und Zustand wiederholen.
- Allgemeine Motivationstheorien als Validierung eines eigenen Scores verwenden.
Beschreibe das Ziel und das, was auf dem Spiel steht
Desired State und Threat State werden hilfreich, wenn sie konkrete Situationen beschreiben. Trenne diese von Gefühlen, Verhalten und Messungen. So zeigt die Zielgruppenkarte, welches Versprechen relevant ist, welche Bedingung Aufmerksamkeit braucht und was einen nächsten Schritt tatsächlich möglich machen würde.
Begriffe
- Desired State und Threat State
- Desired State bezeichnet hier eine Situation, die jemand in einem bestimmten Kontext erreichen oder erhalten möchte. Threat State bezeichnet eine befürchtete Situation, die jemand vermeiden will. Es sind beschreibende Begriffe für die Zielgruppenanalyse, keine gemessenen Gehirnzustände oder klinischen Diagnosen. Untersuche beide getrennt und verbinde sie mit Verhalten, erwarteten Folgen und den Bedingungen der Entscheidung.
Häufig gestellte Fragen
Was sind Desired State und Threat State?
Desired State bezeichnet hier eine Situation, die jemand in einem bestimmten Kontext erreichen oder erhalten möchte. Threat State bezeichnet eine befürchtete Situation, die jemand vermeiden will. Es sind beschreibende Begriffe für die Zielgruppenanalyse, keine gemessenen Gehirnzustände oder klinischen Diagnosen. Untersuche beide getrennt und verbinde sie mit Verhalten, erwarteten Folgen und den Bedingungen der Entscheidung.
Entsprechen diese Begriffe BIS/BAS oder gemessenen Gehirnzuständen?
Die besprochenen Theorien von Carver und Scheier sowie Higgins validieren keinen Neurofactor-Score namens Desired State oder Threat State. Der Artikel verwendet die Begriffe zur redaktionellen Ordnung von Forschungsaussagen. Sie entsprechen auch nicht automatisch BIS/BAS-Werten oder spezifischen Zuständen, die andere Forschungsrichtungen als „Challenge“ und „Threat“ bezeichnen.
Was unterscheidet eine Situation von einer Emotion?
Eine Situation zu beschreiben ist etwas anderes, als ein Gefühl zu benennen. „Ruhe“ kann ein gewünschtes Gefühl sein, erklärt aber kaum die nötigen Arbeitsbedingungen. „Wissen, wen ich bei Entscheidungen außerhalb meiner Befugnisse hinzuziehen kann“ ist konkreter. Beide Aussagen können auf einer Zielgruppenkarte stehen, solange sie unterschiedliche Funktionen haben.
Sind gewünschte und befürchtete Ergebnisse immer Gegensätze?
Jemand kann sich fachlich weiterentwickeln wollen und gleichzeitig befürchten, dass größere Sichtbarkeit Fehler öffentlich macht. Der Wunsch betrifft Entwicklung, die befürchtete Situation das Ansehen. Das Versprechen „mehr Sicherheit“ behandelt nicht automatisch beide Seiten. Untersuche, welche Kombination für diese Person und diese Entscheidung relevant ist.
Wie vermeidest du Überschneidungen mit Schmerz und emotionalem Nutzen?
Verwende Desired State für die gewünschte Situation und emotionalen Nutzen für das zugehörige Gefühl. Nutze Threat State für die befürchtete Folge und emotionalen Schmerz für das Gefühl im Zusammenhang mit dem aktuellen Problem. Der wichtigste Schmerzpunkt beschreibt dagegen das konkrete Problem, das jetzt Aufmerksamkeit verlangt.
Welche Fragen kannst du Teilnehmenden stellen?
Nutze offene Fragen wie „Wann würde diese Aufgabe für dich gut verlaufen?“ oder „Was würde dich davon abhalten, anzufangen?“ Beginne nicht mit „Hast du Angst zu scheitern?“ Damit gibst du die Interpretation bereits vor. Eine Assoziationsaufgabe liefert Anhaltspunkte; ergänzende Erläuterungen helfen, die Bedeutung hinter den Wörtern zu verstehen.
Quellen
- 1.Charles S. Carver, Michael F. Scheier (1982). Control theory: A useful conceptual framework for personality–social, clinical, and health psychology. Psychological Bulletin 92(1), 111–135. - Psychological Bulletin 92(1), 111–135 (1982)
- 2.E. Tory Higgins (1997). Beyond pleasure and pain. American Psychologist 52(12), 1280–1300. - American Psychologist 52(12), 1280–1300 (1997)
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Geprüft von: Martijn den Otter · Zuletzt geprüft: 30.9.2026
Martijn den Otter
Oprichter van Neurofactor. Expert in neuromarketing en consumentenpsychologie.
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