Was sind Informationskanäle im Zielgruppenprofil?
Untersuche, wo deine Zielgruppe Informationen sucht und prüft. Mit Kanalfunktionen, Untersuchungsschritten, Praxisbeispiel und wissenschaftlichen Quellen.

„Diese Zielgruppe nutzt soziale Medien“ sagt noch nicht, wo jemand Informationen für eine konkrete Wahl sucht. Ein Beitrag kann auf ein Thema aufmerksam machen; anschließend liest jemand einen Fachartikel und fragt einen Kollegen nach Erfahrungen. Das Feld Informationskanäle zeigt, über welche Wege Menschen Informationen begegnen, suchen und prüfen. So kannst du Kommunikation auf die jeweilige Informationsfrage abstimmen.
Einleitung
„Diese Zielgruppe nutzt soziale Medien“ sagt noch nicht, wo jemand Informationen für eine konkrete Wahl sucht. Ein Beitrag kann auf ein Thema aufmerksam machen; anschließend liest jemand einen Fachartikel und fragt einen Kollegen nach Erfahrungen. Das Feld Informationskanäle zeigt, über welche Wege Menschen Informationen begegnen, suchen und prüfen. So kannst du Kommunikation auf die jeweilige Informationsfrage abstimmen.
Was sind Informationskanäle?
Informationskanäle sind im Zielgruppenprofil die Wege, über die der Zielgruppe innerhalb eines bestimmten Wahlkontexts Informationen begegnen oder über die sie Informationen sucht beziehungsweise überprüft, um einen Bedarf, eine Lösung oder einen Anbieter zu beurteilen.
Das ist eine praktische Arbeitsdefinition von Neurofactor. Das Feld erweitert Meistgenutzte Social-Media-Plattformen aus dem ursprünglichen Schema. Neben sozialen Medien können beispielsweise Suchmaschinen, Fachmedien, Newsletter, Veranstaltungen und Gespräche relevant sein. Nimm einen Kanal aufgrund seiner untersuchten Rolle bei der Orientierung auf; die bloße Präsenz auf einer Plattform reicht nicht aus.
Wie unterscheiden sich Kanal, Quelle, Format und Entscheidungskanal?
Ein Kanal beschreibt, wie Informationen jemanden erreichen. Die Quelle ist die Person oder Organisation hinter den Informationen. Das Format beschreibt die Darstellungsform. Derselbe Artikel kann über mehrere Kanäle gefunden werden.
| Begriff | Frage | Fiktives Beispiel |
|---|---|---|
| Kanal | Über welchen Weg kommen Informationen an? | Ein Newsletter per E-Mail |
| Quelle | Wer macht die Aussage? | Eine Fachredaktion oder ein Anbieter |
| Format | Wie wird der Inhalt dargestellt? | Interview, Artikel oder Video |
| Orientierungsfunktion | Wofür verwendet jemand die Information? | Mögliche Lösungen kennenlernen |
| Entscheidungskanal | Über welchen Kontakt oder Weg möchte jemand die Wahl abschließen? | Ein persönliches Gespräch mit dem Anbieter |
| Belege | Welche Angaben helfen, eine Behauptung zu beurteilen? | Eine überprüfbare Beschreibung von Vorgehen und Ergebnissen |
Ein Podcast ist ein Inhaltsformat, das über verschiedene Verbreitungskanäle verfügbar sein kann. Halte bei Bedarf auch Titel oder Herausgeber und den Weg fest, über den er gefunden wurde. Ein Plattformname allein zeigt nicht, welchem Absender jemand vertraut oder welcher Inhalt eine Wahl unterstützt.
Orientierung und Entscheidung müssen nicht an verschiedenen Orten stattfinden. Ein Gespräch kann beide Funktionen erfüllen. Beschreibe diese dann getrennt. Das Feld Bevorzugter Kanal dokumentiert den gewünschten Weg für den Entscheidungsschritt; Informationskanäle beschreibt die Informationssuche darum herum. Ein tatsächlich genutzter Kanal ist nicht automatisch der bevorzugte.
Welche wissenschaftlichen Grundlagen sind relevant?
Informationskanäle ist hier eine praktische Feldbezeichnung, kein Begriff mit einer einzelnen wissenschaftlichen Erfinderperson. Er knüpft an Forschung zu Informationssuche und Kundenreise an.
Brucks unterscheidet bei der Informationssuche objektives Produktwissen von dem, was Menschen zu wissen glauben. Ihre Laborstudie stützt die getrennte Behandlung dieser Begriffe. Brucks, 1985.
Lemon und Verhoef beschreiben die Kundenreise als dynamischen Prozess mit mehreren Kontaktpunkten, darunter Kontakte außerhalb der Kontrolle einer Marke. Sie unterscheiden Phasen vor, während und nach dem Kauf. Lemon & Verhoef, 2016.
Diese Veröffentlichungen liefern keine aktuelle Rangliste von Kanälen für deine Zielgruppe. Die folgenden Fragen und Einteilungen sind unsere praktische Ausarbeitung. Untersuche, welches Wissen bereits vorhanden ist und welche Frage offenbleibt, statt Kanalpräferenzen allein aus Stellenbezeichnung oder Alter abzuleiten.
Welche Kanäle beziehst du ein?
Beginne mit Wegen, die bei konkreten Entscheidungen vorkommen. Die folgenden Beispiele sind Untersuchungsmöglichkeiten und keine Empfehlung, überall präsent zu sein.
| Weg | Mögliche Orientierungsfunktion | Was hältst du zusätzlich fest? |
|---|---|---|
| Suchmaschine oder Suchsystem | Eine Frage erkunden oder einen Anbieter finden | Suchfrage, gefundene Quelle und nächster Schritt |
| Soziale Plattform oder Community | Ein Thema entdecken oder Erfahrungen austauschen | Konkreter Absender, Inhalt und Art der Interaktion |
| Fachmedium oder Newsletter | Entwicklungen verfolgen oder Erläuterungen lesen | Titel, Herausgeber und relevantes Thema |
| Podcast, Video oder Webinar über eine Plattform | Einer Erklärung oder Diskussion folgen | Format, Urheber, Fundweg und Informationsbedarf |
| Kollege, Berater oder Netzwerkgespräch | Erfahrungen und Überlegungen besprechen | Rolle der Person und Gesprächsanlass |
| Veranstaltung oder Vorführung | Fragen stellen oder eine Anwendung ansehen | Veranstalter, Situation und untersuchte Unsicherheit |
| Website oder Dokument eines Anbieters | Vorgehen, Bedingungen oder Aussagen beurteilen | Konkrete Seite oder Angabe und anschließende Bewertung |
Frage auch, ob KI-Systeme während der Orientierung genutzt werden. Wenn ja, dokumentiere System, Frage, erhaltene Antwort und die zugrunde liegenden Quellen, die jemand tatsächlich prüft. Diese Frage setzt weder die Nutzung durch die Zielgruppe noch die Zuverlässigkeit eines bestimmten Systems voraus.
Beziehe Offline-Wege und nicht öffentliche Gespräche ein, wenn sie relevant sind. Ein Weg, der in deiner eigenen Webanalyse fehlt, kann im Bericht einer befragten Person eine klare Rolle spielen.
Wie untersuchst du Informationskanäle?
- Die Wahl abgrenzen. Frage nach einer kürzlich anstehenden konkreten Entscheidung, auch wenn sie verschoben oder abgebrochen wurde. Was wollte die Person herausfinden?
- Den Weg zunächst frei beschreiben lassen. Frage, wo jemand begann, was danach geschah und wohin die Person zurückkehrte. Gib nicht sofort eine Liste beliebter Plattformen vor.
- Jeden Kontakt mit einer Frage verbinden. Was wollte jemand wissen, welche Angaben wurden gefunden und was blieb unklar?
- Kanal und Absender trennen. Welche Person, Organisation oder Veröffentlichung wurde herangezogen? Welche Gründe nennt die Person für Vertrauen oder Zweifel?
- Nach dem nächsten Schritt fragen. Wurde etwas gespeichert, geprüft, besprochen oder verworfen? Nutze dies, um die berichtete Rolle zu verstehen, nicht als automatischen Beleg für kausalen Einfluss.
- Berichte mit passenden Daten vergleichen. Ein freiwillig gezeigtes Beispiel, ein Tagebuch oder verfügbare Besuchsdaten können helfen. Dokumentiere sichtbare und fehlende Teile.
- Muster und Ausnahmen beschreiben. Bewahre Wahlkontext, Zeitraum, untersuchte Gruppe und Unterschiede. Ein in wenigen Gesprächen häufig genannter Kanal ist noch nicht der beliebteste in der gesamten Zielgruppe.
Frage neben „Was hast du herangezogen?“ auch „Was wusstest du bereits?“ und „Was hast du bewusst nicht genutzt?“ Frühere Erfahrung kann ausreichen, um eine Frage zu beantworten. Keine neue Suche bedeutet daher nicht automatisch fehlende Orientierung oder mangelndes Interesse.
Was belegen deine Daten?
| Angabe | Vertretbare Einordnung | Nicht automatisch belegt |
|---|---|---|
| Eine Person nennt einen Kanal | Erinnerte oder berichtete Nutzung | Vollständiger Weg oder genaue Nutzungshäufigkeit |
| Eine Person zeigt einen herangezogenen Artikel | Dieser Artikel liegt als Beispiel vor | Wie gründlich er gelesen wurde oder wie stark er die Wahl beeinflusste |
| Besuch oder Klick wird erfasst | Gemessene Interaktion innerhalb der verwendeten Methode | Vertrauen, Verständnis oder Einfluss auf die endgültige Wahl |
| Eine Person nennt eine Quelle entscheidend | Wahrgenommener Einfluss laut dieser Person | Ein festgestellter kausaler Effekt |
| Mehrere Personen nennen denselben Weg | Wiederkehrendes Muster innerhalb der untersuchten Gruppe | Ein Bevölkerungsanteil oder eine allgemeingültige Präferenz |
Erhebe Nutzung, Bewertung und wahrgenommenen Einfluss getrennt. Wenn du „am meisten genutzt“ schreibst, nenne Einheit und Zeitraum: von den meisten untersuchten Personen, bei den meisten untersuchten Entscheidungen oder am häufigsten pro Person? Daraus entstehen unterschiedliche Ranglisten.
Der letzte sichtbare Klick kann ein hilfreicher Registrierungspunkt sein. Stelle ihn ohne weitere Untersuchung nicht als den Kontakt dar, der die Entscheidung verursacht hat. Bewahre auch fehlende Schritte, Rückkehr zu früheren Quellen und Fälle, in denen sich der Weg nicht mehr rekonstruieren lässt.
Beispiel: von der Plattformliste zu Informationsfragen
Fiktives Beispiel — keine gemessene Kundenreise und keine Kanalempfehlung für eine reale Zielgruppe. Eine Marketingverantwortliche sucht externe Unterstützung für Kampagnenforschung.
| Moment im fiktiven Weg | Informationskontakt | Funktion im Beispiel |
|---|---|---|
| Erste Begegnung | Beitrag einer Fachredaktion auf einer sozialen Plattform | Eine mögliche Forschungsfrage entdecken |
| Vertiefung | Vollständiger Fachartikel auf der Redaktionswebsite | Die besprochenen Ansätze verstehen |
| Prüfung | Gespräch mit einem Kollegen, der Forschung beauftragt hat | Nach Umsetzung und wichtigen Punkten fragen |
| Vergleich | Methodendokument eines Anbieters | Passung des Vorgehens zur eigenen Frage beurteilen |
| Entscheidungsschritt | Gespräch mit Anbieter und internem Budgetverantwortlichen | Bedingungen besprechen und eine Wahl vorbereiten |
Diese Reihenfolge ist erfunden und keine festgelegte Kundenreise. Sie zeigt, warum der alleinige Profileintrag „soziale Plattform“ Informationen verliert. Die Orientierung umfasst hier mehrere Funktionen und Absender. Der Entscheidungsschritt braucht eine eigene Beschreibung einschließlich der Entscheidungsbefugnis.
Ein möglicher Profilsatz innerhalb des Beispiels lautet: „Bei der Wahl von Kampagnenforschung entdeckt diese Gruppe Themen über fachredaktionelle Beiträge, vertieft sie anhand von Artikeln und Methodendokumenten und bespricht Umsetzungsfragen mit erfahrenen Kollegen.“ Auch diese Gruppenaussage ist fiktiv; übertrage sie nicht ohne Untersuchung auf reale Menschen.
Was bedeutet das für eine assoziative Zielgruppe?
Eine assoziative Zielgruppe ist eine abgegrenzte Gruppe von Menschen, bei denen ähnliche Assoziationen Entscheidungen innerhalb eines bestimmten Wahlkontexts lenken.
Untersuche deshalb sowohl die genutzten Wege als auch die Bedeutung relevanter Quellen und Kontakte. Ein Gespräch mit einem Kollegen könnte beispielsweise praktische Vertrautheit vermitteln, ein Methodendokument Überprüfbarkeit. Das sind fiktive Möglichkeiten, keine festgestellten Gruppenassoziationen.
Die Nutzung derselben Plattform belegt kein gemeinsames Entscheidungsmuster. Umgekehrt können Menschen mit ähnlichen Assoziationen Informationen über verschiedene Kanäle finden. Halte den Wahlkontext ausreichend vergleichbar, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu beurteilen. Leite aus der Kanalwahl keinen BIS- oder BAS-Wert ab.
Welche Fehler solltest du vermeiden?
- Soziale Aktivität mit Orientierung gleichsetzen. Häufiges Ansehen oder Posten zeigt noch nicht, wofür jemand Informationen verwendet.
- Kanal, Absender und Format vermischen. Bewahre etwa bei einem Video, wer spricht und wie es gefunden wurde.
- Einen Branchendurchschnitt als Zielgruppenbefund darstellen. Allgemeine Zahlen ersetzen keine Untersuchung dieses Wahlkontexts.
- Einen geradlinigen Funnel erzwingen. Lass Rückkehr, parallele Suche und abgebrochene Wege sichtbar.
- Nur bestehende Kunden befragen. Auch Personen, die ablehnen oder verschieben, können relevante Wege zeigen; beschreibe, wen du tatsächlich untersucht hast.
- Klicks als Vertrauen oder Wirkung lesen. Die Registrierung allein stützt diese Schlussfolgerung nicht.
- Den Mediaplan ins Profil schreiben. Beschreibe zuerst das Verhalten; entscheide anschließend, wo und wie du als Anbieter kommunizierst.
Wie füllst du das Feld kompakt aus?
Verwende: „Bei [Wahlkontext] nutzt [Zielgruppe] [Kanal und relevante Quelle] für [Informationsbedarf] und [anderen Kanal] für [andere Funktion], laut [Grundlage und Zeitraum].“
Bewahre hinter dem Satz Quelldaten, ursprüngliche Fragen, untersuchte Gruppe, Nutzungszeitraum, Quelle oder Absender, Inhaltsformat, Orientierungsfunktion, Folgehandlung und Unsicherheiten. Halte einen gewünschten zukünftigen Kanalmix als gesonderte Empfehlung fest. Bei unzureichenden Angaben ist „noch nicht untersucht“ ein korrekter Eintrag.
Ein hilfreiches Kanalprofil beschreibt die Informationsfrage
Informationskanäle zeigt, über welche Wege die Zielgruppe Informationen entdeckt, sucht und beurteilt. Das Feld wird hilfreich, wenn Kanal, Quelle, Funktion und Belege gemeinsam dokumentiert werden. So kannst du später passende Kommunikation entwickeln, ohne Aktivität, Vertrauen und Einfluss zu verwechseln.
Begriffe
- Informationskanäle
- Informationskanäle sind im Zielgruppenprofil die Wege, über die der Zielgruppe innerhalb eines bestimmten Wahlkontexts Informationen begegnen oder über die sie Informationen sucht beziehungsweise überprüft, um einen Bedarf, eine Lösung oder einen Anbieter zu beurteilen.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist dieses Feld breiter als Meistgenutzte Social-Media-Plattformen?
Relevante Orientierung kann auch über Suchmaschinen, Fachmedien, Newsletter, Veranstaltungen und Gespräche erfolgen. Informationskanäle beschreibt die umfassendere Informationssuche innerhalb eines Wahlkontexts.
Was unterscheidet einen Informationskanal vom bevorzugten Kanal?
Ein Informationskanal unterstützt die Orientierung. Bevorzugter Kanal beschreibt hier den gewünschten Weg zum Abschluss des Entscheidungsschritts. Derselbe Weg kann beide Funktionen erfüllen; dokumentiere sie getrennt.
Ist ein Podcast ein Kanal oder ein Inhaltsformat?
Ein Podcast ist ein Inhaltsformat, das über verschiedene Kanäle verbreitet werden kann. Notiere bei Bedarf Titel oder Urheber, Fundweg und wofür jemand den Inhalt verwendet.
Belegt häufige Plattformnutzung den besten Marketingkanal?
Nein. Untersuche auch, ob die Zielgruppe die Plattform für die relevante Wahl nutzt, welche Angaben sie sucht und welche Absender sie heranzieht. Eine Marketingentscheidung verlangt anschließend eine eigene Abwägung.
Sollten KI-Systeme und Gespräche mit Kollegen aufgenommen werden?
Ja, wenn sie nachweislich eine Rolle in der untersuchten Orientierung spielen. Halte bei beiden fest, welche Frage gestellt wird, welche Angaben folgen und wie die Person diese bewertet oder prüft.
Können Klickdaten zeigen, welcher Kanal die Wahl verursacht?
Nicht allein. Sie zeigen registrierte Interaktionen innerhalb der Messmethode. Eine kausale Schlussfolgerung verlangt zusätzliche Belege und die Berücksichtigung nicht gemessener Kontakte.
Quellen
- 1.Brucks, M. (1985). The Effects of Product Class Knowledge on Information Search Behavior. Journal of Consumer Research, 12(1), 1–16. - Journal of Consumer Research (1985)
- 2.Lemon, K. N. & Verhoef, P. C. (2016). Understanding Customer Experience Throughout the Customer Journey. Journal of Marketing, 80(6), 69–96. - Journal of Marketing (2016)
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Geprüft von: Martijn den Otter · Zuletzt geprüft: 23.9.2026
Martijn den Otter
Oprichter van Neurofactor. Expert in neuromarketing en consumentenpsychologie.
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