Gaze Cueing und Conversion
Wie lenkt Blickrichtung Aufmerksamkeit? Erfahre, wie du Gaze Cueing im Design einsetzt und Aufmerksamkeit, Verständnis und tatsächliche Conversion getrennt prüfst.

Du hast ein starkes Bild, eine klare Botschaft und einen Button zum nächsten Schritt. Trotzdem weißt du noch nicht, ob Besucher diese Elemente im gewünschten Zusammenhang betrachten. Die Blickrichtung einer abgebildeten Person ist eine Gestaltungsvariable, die du untersuchen kannst. Was trägt sie bei und wann darfst du von einer verbesserten Conversion sprechen?
Einleitung
Du hast ein starkes Bild, eine klare Botschaft und einen Button zum nächsten Schritt. Trotzdem weißt du noch nicht, ob Besucher diese Elemente im gewünschten Zusammenhang betrachten. Die Blickrichtung einer abgebildeten Person ist eine Gestaltungsvariable, die du untersuchen kannst. Was trägt sie bei und wann darfst du von einer verbesserten Conversion sprechen?
Zusammenfassung
Gaze Cueing bezeichnet die Ausrichtung von Aufmerksamkeit durch die Blickrichtung einer anderen Person. In der Kommunikation kannst du dies untersuchen, indem eine abgebildete Person auf relevante Informationen schaut. Das ist eine Aufmerksamkeitshypothese; zusätzliche Anfragen oder Käufe musst du gesondert messen.
Woher stammt der Begriff?
In einer klassischen Studie von 1998 fanden Friesen und Kingstone schnellere Reaktionen auf Ziele in Richtung eines gezeichneten Blicks, obwohl dieser den Zielort nicht vorhersagte. Untersucht wurde Aufmerksamkeit ohne notwendige Augenbewegung, kein Kaufverhalten. Friesen und Kingstone, 1998
Gaze bedeutet Blick, cue Hinweisreiz. Der Begriff beschreibt einen Aufmerksamkeitseffekt und ist kein eigenständiges Conversion-Modell.
Was zeigt die Forschung?
Eine Meta-Analyse stützt den Gaze-Cueing-Effekt in experimentellen Aufmerksamkeitsaufgaben. Seine Stärke hing unter anderem von Aufgabe, zeitlichem Ablauf und Gesichtsausdruck ab. McKay et al., 2021
Auch Werbung wurde untersucht. Bei Hutton und Nolte betrachteten Teilnehmende Produkt, Logo und übrige Anzeige länger, wenn das Model zum Produkt statt zum Betrachter schaute. Die Studie erfasste Blickverhalten. Hutton und Nolte, 2011
Palcu und Kollegen fanden in einem Bannerexperiment Effekte auf Produktaufmerksamkeit und berichtete Kaufabsicht. Tatsächliche Käufe wurden damit nicht nachgewiesen; Produktbewertung und Kaufabsicht waren zudem unterschiedliche Ergebnisse. Palcu et al., 2017
Die praktische Schlussfolgerung: Nutze die Befunde, um eine Gestaltungsidee zu begründen und zu testen. Übernimm keinen pauschalen Steigerungswert für deine Website.
Vom Betrachten zum Kaufen: Was misst du?
| Frage | Mögliche Messung | Was offenbleibt |
|---|---|---|
| Werden relevante Informationen betrachtet? | Eyetracking mit vorab definierten Interessenbereichen | Ob die Informationen verstanden werden |
| Wird die Botschaft verstanden? | Aufgabe oder inhaltliche Frage | Ob das Angebot attraktiv ist |
| Möchte jemand fortfahren? | Berichtete Absicht oder Klick | Ob der nächste Schritt abgeschlossen wird |
| Wird die gewünschte Handlung abgeschlossen? | Vollständige Anfrage oder Kauf | Ob das Ergebnis auf andere Situationen übertragbar ist |
Diese Tabelle ist ein redaktioneller Messrahmen. Wähle das Ergebnismaß passend zu deiner Entscheidung. Eine Heatmap ist kein Conversion-Bericht; ein Klick auf „Anfragen“ ist noch keine abgeschlossene Anfrage.
Wie setzt du Blickrichtung im Design ein?
Beginne mit einer Frage: Welche Information soll jemand jetzt finden können? Das kann ein Produktdetail sein, aber auch ein Beleg, ein Preis oder die Erklärung des nächsten Schritts.
Entwickle zwei Varianten, deren Unterschiede du erklären kannst. Halte Text, Angebot und Platzierung möglichst gleich. Wenn du gleichzeitig das Model austauschst, die Überschrift änderst und den Button vergrößerst, lässt sich das Ergebnis nicht allein der Blickrichtung zuschreiben.
Prüfe alle relevanten Bildschirmbreiten. Bleiben Gesicht und Ziel nach Zuschnitt, Skalierung oder Umordnung gemeinsam sichtbar? Dokumentiere auch, ob nur die Augen oder der gesamte Kopf verändert werden: Das sind unterschiedliche Bildeingriffe.
Eine Person ist nicht zwingend erforderlich. Wenn das Foto wenig zur Botschaft beiträgt, kannst du eine einfachere Gestaltung ohne Gesicht als eigene Hypothese prüfen. Dies ist eine Testoption und keine Behauptung, dass Gesichter oder Pfeile immer besser wirken.
Beispiel: eine Produktseite für einen Bürostuhl
Ein fiktiver Händler möchte wissen, ob Besucher die Verstellbarkeit eines Stuhls vor der Bestellung verstehen. In Variante A schaut eine abgebildete Person zum Besucher. In Variante B schaut dieselbe Person zum Produktdetail. Die übrige Seite bleibt möglichst gleich. Dies ist ein Testvorschlag, keine Kundenreferenz und kein Messergebnis.
| Bestandteil | Vorab festlegen |
|---|---|
| Hypothese | Variante B hilft, das relevante Produktdetail zu finden |
| Aufmerksamkeit | Interessenbereich um das Detail und passende Blickmaße |
| Verständnis | Eine konkrete Frage zur Verstellbarkeit |
| Primäre Conversion | Abgeschlossene Bestellungen pro zugewiesenem Besucher |
| Kontrolle | Gleicher Preis, gleiche Bestandsbedingungen und gleicher Checkout |
| Entscheidung | Wann das Ergebnis ausreichend Sicherheit für die Übernahme liefert |
Erhält B mehr Aufmerksamkeit ohne klare Veränderung der Bestellungen, berichte beides. Prüfe anschließend Relevanz und Verständlichkeit der Information. Ein uneindeutiges Conversion-Ergebnis beweist allein nicht, dass kein Effekt besteht; Unsicherheit und Stichprobengröße gehören zur Beurteilung.
So entsteht ein prüfbarer Plan
- Benenne das Problem. Welche Information übersehen Besucher vermutlich und worauf stützt sich diese Vermutung?
- Formuliere die Hypothese. Beschreibe die erwartete Veränderung und das Ergebnismaß.
- Prüfe die Varianten. Dokumentiere alle Unterschiede, auch auf Mobilgeräten.
- Wähle passende Forschung. Nutze Eyetracking für Blickverhalten und einen randomisierten Praxistest für die gewählte Conversion.
- Lege die Analyse vorab fest. Begründe Stichprobe, Dauer, Ausschlüsse und Abbruchregel. Prüfe nicht so lange weiter, bis ein günstiges Ergebnis erscheint.
- Berichte Effekt und Unsicherheit. Nenne Anzahlen und den passenden Nenner. Kennzeichne den vorher vereinbarten Vergleich.
Dies ist eine praktische Arbeitshilfe, kein universelles Forschungsprotokoll. Eine für jede Situation gültige Mindestzahl an Teilnehmenden wird nicht vorgegeben.
Häufige Fehler
- Einen Hotspot in einer Heatmap als „mehr Überzeugung“ interpretieren.
- Kaufabsicht als tatsächlichen Umsatz darstellen.
- Mehrere Bildelemente verändern und das Ergebnis einem einzigen zuschreiben.
- Desktopbefunde ungeprüft auf Mobilgeräte übertragen.
- Nachträglich nur die erfolgreichste Untergruppe berichten.
- Wichtige Bedingungen weniger sichtbar machen, um mehr Klicks zu erhalten.
Nutze Aufmerksamkeitslenkung, um relevante Informationen zugänglich zu machen. Kosten, Bedingungen und Wahlmöglichkeiten sollen klar bleiben.
Was bedeutet das für deine Kommunikationsstrategie?
Blickrichtung ist eine konkrete Variable für Bildauswahl und Tests. Bestimme zuerst, welche Information die Entscheidung unterstützt, und miss anschließend, ob die Gestaltung dabei hilft. Berichte Aufmerksamkeit, Verständnis und Conversion getrennt. So bleibt erkennbar, was belegt ist und was noch geprüft werden muss.
Begriffe
- Gaze Cueing
- Gaze Cueing bezeichnet die Ausrichtung von Aufmerksamkeit durch die Blickrichtung einer anderen Person.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Gaze Cueing?
Gaze Cueing bezeichnet die Ausrichtung von Aufmerksamkeit durch die Blickrichtung einer anderen Person. Im Design kannst du prüfen, ob ein abgebildeter Blick relevante Informationen leichter auffindbar macht.
Steigert Gaze Cueing immer die Conversion?
Nein. Ein Aufmerksamkeitseffekt belegt nicht automatisch mehr abgeschlossene Anfragen oder Käufe. Miss die gewünschte Handlung gesondert.
Soll das Model auf den Button schauen?
Das ist eine mögliche Hypothese, keine feste Regel. Bestimme zuerst die benötigten Informationen und teste die gewählte Variante.
Reicht Eyetracking als Conversion-Nachweis?
Nein. Eyetracking untersucht Blickverhalten. Eine Conversion-Aussage braucht Daten zur tatsächlichen Handlung und einen passenden Vergleich.
Solltest du auch mobil testen?
Prüfe die mobile Darstellung und berücksichtige sie ausdrücklich im Testplan. Zuschnitt oder Umordnung können den Zusammenhang zwischen Gesicht und Ziel verändern.
Welche Conversion-Steigerung ist zu erwarten?
Dieser Artikel nennt keinen pauschalen Prozentsatz. Begründe relevante Veränderung, Stichprobe und Unsicherheit für deine Situation.
Quellen
- 1.C. K. Friesen, A. Kingstone (1998). The eyes have it! Reflexive orienting is triggered by nonpredictive gaze. Psychonomic Bulletin & Review 5, 490–495. - Psychonomic Bulletin & Review (1998)
- 2.K. T. McKay, S. A. Grainger, S. P. Coundouris, D. P. Skorich, L. H. Phillips, J. D. Henry (2021). Visual Attentional Orienting by Eye Gaze: A Meta-Analytic Review of the Gaze-Cueing Effect. Psychological Bulletin 147(12), 1269–1289. - Psychological Bulletin (2021)
- 3.S. B. Hutton, S. Nolte (2011). The effect of gaze cues on attention to print advertisements. Applied Cognitive Psychology 25(6), 887–892. - Applied Cognitive Psychology (2011)
- 4.J. Palcu, J. Sudkamp, A. Florack (2017). Judgments at Gaze Value: Gaze Cuing in Banner Advertisements, Its Effect on Attention Allocation and Product Judgments. Frontiers in Psychology 8, 881. - Frontiers in Psychology (2017)
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Geprüft von: Martijn den Otter · Zuletzt geprüft: 29.9.2026
Martijn den Otter
Oprichter van Neurofactor. Expert in neuromarketing en consumentenpsychologie.
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